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Es gibt sie: Deine Freizeit im Babyjahr

Aktualisiert: 7. Sept.

Im Gespräch mit Isabell Prophet über ihr "ElternZeitBuch"

 

Wir messen die Zeit mit einer Uhr. Jede Minute, jede Stunde, jeder Tag gehen gleichermaßen schnell vorbei. Für jede:n von uns, egal unter welchen Rahmenbedingungen. Diese mechanische Zeit hilft uns im Alltag, denn so wissen wir, wann die Schule/die KiTa beginnt, wann wir beim Arzt sein sollen, wann wir verabredet sind. Auf der anderen Seite fühlen wir uns dadurch oft gestresst und unter (Zeit-)Druck. Hinzu kommt, dass wir uns selbst und andere daran messen, was wir in welcher Zeit erreichen. Das Streben nach Produktivität und Effizienz ist allgegenwärtig.

Natalie Orthmann liest das ElternZeitBuch
Ich lese das ElternZeitBuch

Kein Wunder fällt es uns dann schwer mal nichts, oder Dinge zu tun, die uns Spaß machen. Einfach nur „Sein“, die Zeit vergessen, den Moment genießen, sich voll und ganz auf etwas einlassen, das kein bestimmtes Ziel verfolgt, die Gedanken ausschließlich auf die Gegenwart lenken – das sind Aspekte eines Zeitmodells, die den tickenden Sekundenzeiger und die „To Do-Liste“ in den Hintergrund rücken lassen. Eine Art menschliche Zeit, die sich nicht durch Quantität, sondern Qualität auszeichnet.


Insbesondere wenn wir Eltern werden, wenn wir mit dem kleinen, schreienden Bündel auch diese immense Verantwortung überreicht bekommen, wenn sich unsere Tage, unsere Aufgaben, unsere Bedürfnisse neu sortieren, dann sollten wir Acht geben. Nicht nur auf unser Kind, unsere Partner:in, den Haushalt, die tägliche To-Do Liste, sondern auch auf uns selbst und die Zeit, die wir bewusst für uns selbst gestalten können. Denn auch in der Elternzeit steckt Freizeit! DEINE Freizeit! DEINE persönliche "Quality Time"!


Portraitfoto Isabell Prophet
Isabell Prophet

Isabell Prophet hat das „ElternZeitBuch“ für alle geschrieben, die auch mal einen Moment

für sich brauchen. Im Interview habe ich sie mit vielen Fragen rund um das Thema Zeit in der Elternzeit gelöchert!

Ich hoffe, du kannst etwas für dich mitnehmen und bekommst vielleicht auch Lust, das wunderbare Buch zu lesen oder zu verschenken!



Nun aber die Fragen an Isabell zu ihrem neuen Buch:

  1. Gibt es sie wirklich, diese Freizeit im Babyjahr? Für wen jetzt genau? Und wie finden wir sie?

  2. Wie definierst du Freizeit?

  3. Für wen hast du das Buch geschrieben? Mama, Papa, "das betreuende Elternteil", alle?

  4. Wie stehst du zur klassischen Rollenverteilung? Beobachtest du Veränderungen in der Gesellschaft?

  5. Ein Klassiker: Am Ende des Tages körperlich und mental völlig am Ende zu sein und das Gefühl zu haben, nichts sinnvolles gemacht zu haben. Wie kommt das?

  6. Kann bzw. sollte man daran etwas ändern?

  7. Was sind deiner Meinung nach alltägliche Fallen, in die wir oft treten?

  8. Was sind die TOP 3 Pausenkiller?

  9. Was sind deine TOP 5 Orga-Tipps im Babyalltag um mehr Freiraum und Erholung zu haben?

  10. Welche Erkenntnis hat euch als Eltern im Babyjahr massiv nach vorne gebracht? Woran seid ihr gewachsen? Wie gelingt dieses Babyjahr zwischen Liebenden?

  11. Inzwischen ist eure Tochter 3 Jahre alt, geht in eine KiTa, ihr beide arbeitet selbständig. Fängt man nach dem Babyjahr wieder von vorne an? Was ist dir/euch von den Erkenntnissen deines Buches geblieben?

  12. Was ist die Essenz aus deinem Buch? Was würdest du werdenden Eltern gerne mit auf den Weg geben?

  13. In deinem ersten Buch „Die Entdeckung des Glücks“ gibt es ein Kapitel über die Wirkung des Sports. Darin berichtest du von wissenschaftlichen Indizien dafür, dass die Stärkung der Körpermitte Stress reduzieren und somit glücklich machen kann.

  14. Das ElternZeitBuch erschien im April 2022. Nur wenige Monate später gab es den ersten Ritterschlag, herzlichen Glückwunsch! Was hat es damit genau auf sich?

  15. Warum gibt es dein Buch eigentlich nur bei Amazon? Ich persönlich würde es viel lieber in der Buchhandlung vor Ort kaufen!


1. Gibt es sie wirklich, diese Freizeit im Babyjahr? Für wen jetzt genau? Und wie finden wir sie?

Klar gibt’s die. Wir sind nur so sehr an das Narrativ gewöhnt, wir hätten keine oder dürften keine haben, dass wir das gar nicht mehr hinterfragen. Aber es gibt Freizeit. Wir können sie uns selbst schaffen. Dazu müssen wir aber den Glaubenssatz loslassen, wer Freizeit habe, der habe es zu leicht oder der mache was falsch. Stimmt nicht! Wer Freizeit hat, der hat seine Aufgaben erledigt oder wegsortiert oder runterpriorisiert. Und all das ist gut.

2. Wie definierst du Freizeit?

Freizeit ist Zeit, in der wir frei wählen, was wir tun. Das kann zum Beispiel Zeit sein, in der das Baby schläft oder der Partner/die Partnerin mit dem Kind unterwegs ist. Hauptsache: selbst und bewusst gestaltet.

3. Für wen hast du das Buch geschrieben? Mama, Papa, „das betreuende Elternteil“, alle?

Das Buch richtet sich an die Person, die gerade allein in Elternzeit ist. Das bezeichnet bislang überwiegend Frauen, aber so wird es nicht bleiben. Ich habe es bewusst für beide geschrieben – und es gibt einen erstaunlich großen Anteil an männlichen Käufern und Rezensenten online. Das freut mich enorm, weil es mir wichtig war, dass das Buch für alle Eltern zugänglich ist. Tendenziell richtet es sich an Eltern in der Elternzeit mit dem ersten Kind. Ich höre aber ständig, dass es tatsächlich von viel mehr Eltern gekauft wird, auch in der zweiten oder dritten (!) Elternzeit oder mit älteren Kindern. Und dass die Ideen funktionieren. Das ist richtig schön.

4. Wie stehst du zur klassischen Rollenverteilung? Beobachtest du Veränderungen in der Gesellschaft?

Da tut sich gerade ganz viel. Klassische Rollenverteilung hat eigentlich noch nie funktioniert. Für Männer war sie gut, weil sie als Statussymbol wirkte und ihnen die Freiheit gab, sich im Leben und beruflich zu verwirklichen. Frauen wurde das als das Privileg verkauft, nicht arbeiten zu müssen. So ein Quatsch! Familienarbeit ist mehr, anstrengender und verantwortungsvoller als die meisten Schreibtischjobs. Gerade sehen wir, dass Männer damit nicht mehr durchkommen. Sie werden gefragt, ob und wann und wie lange sie Elternzeit nehmen. Es wird hinterfragt, wenn sie nur zwei Monate nehmen. Elternzeit allein, als ohne von der Partnerin mitbetreut zu werden, ist für Männer eigentlich eine großartige Sache. Sie lernen, selbstständig in der Familie zu agieren. Das stärkt sie für den Rest ihres Lebens – und es schafft eine echte Beziehung zu den Kindern.

5. Ein Klassiker: Am Ende des Tages körperlich und mental völlig am Ende zu sein und das Gefühl zu haben, nichts sinnvolles gemacht zu haben. Wie kommt das?

Das ist sogar ziemlich normal und hat neurologische Ursachen. In der Elternzeit agieren wir meist entweder fremdbestimmt oder nach Impulsen. Fremdbestimmt zu sein ist eigentlich gar nicht schlimm. Das Kind braucht die Eltern, es kann sich noch nicht selbst versorgen. Logischerweise machen wir das dann. Nach inneren Impulsen zu handeln ist an einem lauen Samstag mit Mitte 20 ganz nett, in der Elternzeit aber schwierig. Beides in Kombination führt dazu, dass wir vielleicht oft zwischen Handlungen wechseln, viele Sachen nebenbei machen, Multitasking versuchen, hetzen, uns langweilen, aufs Smartphone schauen – und wieder hetzen. Das Gehirn kann so keine Erinnerungen formen. Der Tag fühlt sich anstrengend an, aber wir finden nichts darin, auf das wir stolz sein können oder das sich entspannt angefühlt hat.

6. Kann bzw. sollte man daran etwas ändern?

Das sollte man unbedingt ändern! Es ist doch total schade, wenn diese Zeiten aus dem Kopf gelöscht werden. Und wo keine Erinnerung ist, da kann auch keine Zufriedenheit entstehen. Das überträgt sich auf den Körper und der tut das einzig vernünftige: Er fährt immer mehr runter. Er fordert eine Pause.

7. Was sind deiner Meinung nach alltägliche Fallen, in die wir oft treten?

Die wichtigste Falle ist der Glaube daran, dass in der Elternzeit niemand Zeit für sich hat. Stimmt nicht! Zeit ist da. Wer sich mal notiert, zu welchen Zeiten er oder sie wirklich wählen kann, wie eine Pause gefüllt sein soll, der wird sich erschrecken. Es ist viel mehr, als man denkt, sobald man aufhört, sich einzureden, alles sei ein Muss.

8. Was sind die TOP 3 Pausenkiller?

1. Das Smartphone. Kommunikation mit Freundinnen und Freunden ist toll und wichtig – Spiele und das Elternforum sind verbrannte Freizeit und damit ruinierte Erholung.
2. Hausarbeit. Nein, kein Scherz. Es gibt absolut keinen Grund, die Spülmaschine aus- oder die Waschmaschine einzuräumen, während das Kind schläft. Es darf dabei wach sein und daneben liegen, vielleicht in der Wippe oder der Wiege. Geht alles. Es wird sich in der Regel auch nicht beschweren.
3. Planlosigkeit. Wer wirklich gar keine Idee hat, was in einem ruhigen Moment passieren könnte, der wird ihn mit Überlegen verbringen. Oder mit dem Smartphone. Oder mit Hausarbeit. Verschenkte Freizeit, würde ich sagen.

9. Was sind deine TOP 5 Orga-Tipps im Babyalltag um mehr Freiraum und Erholung zu haben?

1. Versuch, einen Tagesrhythmus zu beobachten oder zu etablieren. Es ist total okay, wenn der nicht immer gleich bleibt. Aber er wird dir und deinem Kind helfen.
2. Überleg dir immer frühzeitig, wie du Zeiten verbringen willst, in denen dein Baby zum Beispiel schläft. Dabei geht es übrigens nicht um das Was. Was wir tun ist egal. Nur selbst gewählt sollte es sein.
3. Mach nicht alles allein, nur weil du es für theoretisch möglich hältst. Es ist nicht möglich. Und es ist auch nicht richtig.
4. Legt feste Zuständigkeiten fest. Wenn die Spülmaschine nicht deine Baustelle ist, dann räumst du sie auch nicht aus.
5. Hinterfrage jeden Tipp, den du bekommst. Wenn man dir sagt, du sollst deine Ansprüche runterschrauben, dir das aber nicht guttut, dann hast du nichts gewonnen. Babys sind klein. Fünf Minuten Aufräumen am Abend geben manchen Menschen mehr Energie, als sie kosten.

10. Welche Erkenntnis hat euch als Eltern im Babyjahr massiv nach vorne gebracht? Woran seid ihr gewachsen? Wie gelingt dieses Babyjahr zwischen Liebenden?

Wir sind ein Team. Wir halten zusammen und wir schaffen das auch. Wenn ich merke, dass du Entlastung brauchst, dann helfe ich dir und ich weiß, umgekehrt passiert das auch. Das ist schön – und ziemlich praktisch.

11. Inzwischen ist eure Tochter 3 Jahre alt, geht in eine KiTa, ihr beide arbeitet selbständig. Fängt man nach dem Babyjahr wieder von vorne an? Was ist dir/euch von den Erkenntnissen deines Buches geblieben?

Wirklich von vorn fängt man nie an. Im Gegenteil. Wir haben in unseren Elternzeiten gelernt, wie wir einander gut unterstützen können und wie wichtig Zeit allein ist.

12. Was ist die Essenz aus deinem Buch? Was würdest du werdenden Eltern gerne mit auf den Weg geben?

Du hast Zeit. Und du darfst sie dir nehmen und gestalten. Und wenn du dich erholst: Du tust das nicht, um der Familie besser zu dienen. Du bist ein Mensch, du hast ein Leben, du darfst es selbst gestalten. Und dabei entsteht kein Widerspruch zur Familie, du vernachlässigst nicht die anderen, wenn du dich um dich selbst kümmerst. Dass du dich um dich kümmerst, ist von allen anderen unabhängig.

13. In deinem ersten Buch „Die Entdeckung des Glücks“ gibt es ein Kapitel über die Wirkung des Sports. Darin berichtest du von wissenschaftlichen Indizien dafür, dass die Stärkung der Körpermitte Stress reduzieren und somit glücklich machen kann.

Das stimmt! Die Verbindung zwischen Bauchmuskeln und Stressregulation ist einer der Gründe, aus denen der Rückbildungskurs so unfassbar wichtig ist. Körperliche Faktoren stehen natürlich im Vordergrund, dein Beckenboden braucht dich jetzt. Aber ja: Erhalten wir uns auch über den Kurs hinaus eine gewisse Stabilität, dann hilft sie dem Körper, mit Stress umzugehen. Das ist gut, denn die Gedanken können nicht alles allein stemmen.

14. Das ElternZeitBuch erschien im April 2022. Nur wenige Monate später gab es den ersten Ritterschlag, herzlichen Glückwunsch! Was hat es damit genau auf sich?

Das Buch ist für den Deutschen Selfpublishing-Buchpreis nominiert (https://selfpublishing-buchpreis.de/longlist-2022/). Ich bin ganz schön glücklich. Jetzt warte ich auf die Shortlist im September. Aber wer auf die Liste schaut sieht: Da sind tolle, sehr beeindruckende Projekte dabei. Das ist spannend, weil wir sehen, wie das Selfpublishing gerade aufdreht. Die Qualität steigt extrem. Für mich war es bislang das einzige Buch ohne Verlag und ich war erstaunt, was alles dahintersteckt.

15. Warum gibt es dein Buch eigentlich nur bei Amazon? Ich persönlich würde es viel lieber in der Buchhandlung vor Ort kaufen!

Das kannst du machen :-) Es haben auch schon Buchhandlungen bei mir bestellt, um es auszulegen. Bei den meisten Buchhandlungen wirst du es derzeit noch nicht finden. Aber wenn du fragst, dann finden sie es im Verzeichnis Lieferbarer Bücher (VLB) und können es bestellen. Zu finden ist es derzeit noch nicht, weil es zwischen Herausgebenden und Buchhandel oft einen Zwischenhändler gibt. Und so praktisch ich das finde – ich kann mir das derzeit nicht leisten. Aber wer fragt, der wird es im Buchhandel auch bekommen.

Liebe Isabell, ganz herzlichen Dank für dieses Interview, das wunderbare Buch und deinen wertvollen Input auf deinen Kanälen!


Weitere Infos zum Buch findest du unter www.elternzeitbuch.de

Zu kaufen gibt es das ElternZeitBuch auf Amazon oder frag in deiner lokalen Buchhandlung, z.B. Kapitel 8 in Falkensee nach ;-)

Podcast Isabell Prophet Rush Hour

Isabell hat auch einen tollen Podcast namens „Rush Hour“, den ich sehr empfehlen kann, in dem es um die Jahre mit Familie, Karriere, Freundschaften und Zeit für uns selbst geht.

Du findest diesen ebenfalls bei Spotify, Apple Podcasts und Amazon Music. Viel Spaß beim lesen oder hören!

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