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Corona-Familienalltag - Tag 36



An Tagen, an denen ich morgens keine Fitness-Kurse gebe, stelle ich mir momentan keinen Wecker. Eigentlich war mein Gedanke dabei herauszufinden, ob mein natürliches Schlafbedürfnis meiner Schlafdauer mit Wecker entspricht.

Wenn ich allerdings – wie heute - um 3 Uhr nachts auf die Toilette muss um anschließend noch eine Weile im Bett wach zu liegen, bringt dieser Gedanke herzlich wenig.

Aufgewacht bin ich wohl gegen 7:15 Uhr, als ich hörte, dass meine Kinder wach sind. (Normalerweise stehe ich zwischen 6 und 6:30 Uhr auf – auch ohne Wecker. Vorausgesetzt ich gehe pünktlich ins Bett und schlafe durch!)

Ich mache mein Bett, reiße das Fenster auf (ich lüfte viel und lange…mein Mann schüttelt regelmäßig den Kopf – vor allem im Winter!), schnapp mir meine Sportklamotten und um 7:45 Uhr stehe ich endlich im Bad. Wieder Toilette, Haare bändigen, Zähneputzen, Gesicht waschen, Gesicht eincremen, Deo benutzen, Sportklamotten anziehen.

Inzwischen höre ich, dass mein Mann und mein Sohn schon frühstücken. Im Kinderschlafzimmer – meine beiden Kids schlafen gemeinsam in einem Zimmer – ist es noch dunkel. Also schläft meine 3-Jährige noch. Ich schleiche mich nach unten.


8 Uhr, ich trinke ein großes Glas Wasser, esse ein kleines Stück Banane, starte mein Mini-Sportprogramm zum Wach-Werden: 20 Hampelmänner, 10 Liegestütze, 10 (unterstützte!)Klimmzüge im Wechsel mit 10 Burpees, 10min joggen an der frischen Luft, dann ist mein Kreislauf aber sowas von in Schwung! Noch geht das „Gehüpfe“ ganz gut. Meinen Beckenboden habe ich zum Glück nie vernachlässigt. Ich bin übrigens in der 17. SSW.

Dann lege ich mich für ein paar Minuten auf die Sportmatte im Wohnzimmer, schließe die Augen, entspanne mich und höre dabei zu, wie sich mein Atemrhythmus und Herzschlag normalisiert. Ich mag das Gefühl, wenn mein Herz vor Anstrengung so wild pumpt. Dann mobilisiere ich etwas meine Wirbelsäule. Es knackt einige Male. Ein paar Dehnübungen. Fertig.

Ich gehe rüber zu meinem Mann an den Tisch. Er arbeitet schon brav im Home-Office, eingeloggt in den „VPN-Client“ und bearbeitet fleißig „Tickets“. Ich nehme ihn in den Arm, frage, wie er geschlafen hat. (Seit zwei Tagen schläft er im Gästezimmer, da er noch länger wach ist als ich, wenn ich nachts raus muss. Und das macht mir ein schlechtes Gewissen!) Dann mein Sohn: „Ich hätte nicht übel Lust die Polizei zu rufen, wenn ihr euch jetzt küsst!“. Ein Teil dieses Satzes erkennen wir aus einem Conni-Hörspiel, über den anderen Teil müssen wir herzlich lachen. Und küssen uns dann lange!

Um 8:30 Uhr sitze ich dann am Frühstückstisch und esse mein Lieblings-Standard-Müsli. Ich versuche mir Zeit zu lassen, aber ich will ja heute auch noch arbeiten. Vormittags ist meine Hochkonzentrationsphase. Die möchte ich nicht vergeuden! Nebenher stelle ich meinem Sohn einen meiner Schuhe vor die Nase. Wir üben gerade Schnürsenkel binden. Bis zur Schule im August sollte das machbar sein. Wenn sie denn startet. Anschließend erinnern wir ihn an seine Fußübungen. Er hat extrem lange und schmale Knick-Senk-Füße. Wir hoffen, dass wir es durch Muskelaufbau im Fußgewölbe in den Griff bekommen und weder teure Einlagen noch eine OP brauchen.

Dann räume ich noch zügig die Spülmaschine aus, kümmere mich um meinen allerersten Möhrenbrotteig („ziehen+falten“), wische den Tisch ab und düse in die 1. Etage Richtung Gästezimmer/Büro. Ich ziehe mir schnell noch andere Klamotten an – hauptsächlich weil der Sport-BH schon ziemlich drückt (Schwangerschaftshormone sei Dank) – da fällt mein Blick auf die zwei Pipi-Unfall-Hosen meiner Tochter von gestern, die vor der Waschmaschine liegen. Die müssen jetzt wirklich gewaschen werden. Ich ziehe also noch kurz die Kinderbetten ab. Die können direkt mit in die Maschine.

9:30 Uhr. Ich sitze im Büro. Die Kinder puzzeln unten (noch) friedlich. Heute steht ein Insta-Post, dieser Blog-Beitrag und meine Fortbildung auf dem Programm. Ich fange an. Es läuft gut. Etwa 30 Minuten. Dann geht die Tür auf. Beide Kinder betteln nach Kostümen. Ninja, Tiger, Pirat und Maus sollen es sein. Da ich weiß, dass ich mehr Zeit und Nerven verschwende, wenn ich jetzt anfange zu diskutieren, stehe ich auf und hole die Kostüme vom Schrank runter.

10:15 Uhr. Ich schaue kurz auf mein Handy. Neue Nachrichten von meiner Krankenkasse. Also logge ich mich ein. Meine Beiträge ändern sich zum Glück erstmal nicht. Puh. Wo ich schon mal am Handy bin, kurz mein täglicher Blick auf das Konto. Ich muss diese Woche definitiv nochmal einkaufen und allzu prall ist es mit den Finanzen derzeit nicht. Und eine 600 Euro Nachzahlung an KiTa-Gebühren für letztes Jahr erwartet uns zum 1. Mai auch noch. Dann stocke ich kurz. Was ist da falsch gelaufen? Ich scrolle. Eine vierstellige Summe wurde mir überwiesen. Mit dem Verwendungszweck: „Corona-Hilfe“. Von meinen Eltern! Ich rufe sofort meine Mama an und nach ein paar Sätzen halte ich inne und die Tränen rollen über die Wangen. Vor Dankbarkeit, vor Freude vor Erleichterung, wahrscheinlich auch etwas Erschöpfung. In diesem Moment wird mir so richtig klar, wie sehr mich/uns das Thema Geld in letzter Zeit belastet hat. Es ging alles. Aber eben nur knapp. Meine Selbständigkeit bedeutete definitiv Rückschritte, das war uns klar. Ich war fest entschlossen mich bzw. meine Ausgaben anzupassen für meinen Traum. Es geht, definitiv! Aber es strengt an. Vor allem wenn man es anders gewohnt ist. Und diese Anstrengung der letzten Monate, zusammen mit der Freude und Dankbarkeit, brach wohl einfach aus mir heraus. Nach dem Telefonat lief ich nach unten und schmiss mich meinem Mann in die Arme. Kurz danach drückten mich auch die Kinder. Die eine am Bein, der andere von einem Stuhl aus.

11 Uhr. Um mich wieder zu beruhigen, spiele ich mit den Kindern eine Runde „Schnappt Hubi“, trinke ein großes Glas Wasser, ziehe den Brotteig und hänge die fertige Wäsche auf.

11:45 Uhr. Ich sitze wieder im Büro und bearbeite das Video bzw. schreibe den Text für den heutigen Post. Dann schreibe ich wieder am Blog Beitrag, damit ich nichts vergesse. Da springt die Tür wieder auf. „Wir haben Hunger!“ Ja, ok, vielleicht schneidet der Papa euch noch einen Apfel bevor es Mittagessen gibt, antworte ich. Da wieder Ruhe einkehrt, gehe ich davon aus, dass sie ihren Apfel bekommen haben. Außerdem höre ich Küchengeräusche. Papa hat wohl auch Hunger und beginnt mit dem Kochen. Sehr schön, dann habe ich noch etwas Zeit, auch wenn Schupfnudeln mit Sauerkraut und Kräuterquark eigentlich „mein Gericht“ ist (welches ich meistens zubereite).

13 Uhr. Gerade noch rechtzeitig vor dem Mittagessen habe ich die Stories und den Post hochgeladen. Ganz schön viel Arbeit. Ich frage mich, ob ich meine wertvolle Zeit in andere Dinge investieren sollte. Aber ich habe Spaß daran und ich glaube dadurch Menschen zu erreichen, auch wenn es gerade nur 39 sind. „Dran bleiben“, sage ich mir, „auch wenn es nur langsam voran geht!“

Das Mittagessen ist lecker, etwas zu wenig angebraten für meinen Geschmack. Und den Quark rühre ich in Windeseile zusammen. Da hat mein Mann nicht dran gedacht.

13:30 Uhr. Die Kinder machen ihre tägliche Ruhephase heute im Kinderzimmer mit Hörspiel. Conni und das Baumhaus ist es geworden. Mein Mann und ich beschließen unsere Arbeit im Garten bzw. auf der Dachterrasse fortzusetzen. Welch ein Luxus! Wir können raus! Wir cremen uns gegenseitig mit Sonnenmilch ein, besprechen heute Abend mal wieder auf der Couch zu kuscheln und verschwinden mit unseren Laptops.

14 Uhr. Die Kids kommen zu mir hoch, wollen was spielen. Ich sage, ich muss noch arbeiten, mache aber einige Vorschläge. Aber sie sollen sich erstmal eincremen.

Dann schreibe ich meinen Blog weiter, antworte auf einige Nachrichten via Instagram und entdecke einen interessanten Post, der mich zu einer spontanen Idee verleitet: Ein Story Template. Habe ich noch nie vorher ausprobiert. Egal, einfach mal machen. Nur so macht man Fehler, nur so lernt man dazu.

15:45 Uhr. Mein Wasservorrat auf der Dachterrasse ist leer. Und ich möchte ein Eis. Also runter. AAAAAAHHHHH. Ich sehe die langersehnten Pakete: Der neue Staubsauer (unser alter hatte Ende letzter Woche einen Motorschaden. Die ganze Wohnung hat heftig gestunken. Aber ich bin ja Lüft-Expertin J), das Geburtstagsgeschenk für meinen Mann (ein Tischtennisschläger) und ein Seidenpuder welches mir meine Hebamme empfohlen hat für meinen extrem juckenden Bauch. Ich halte mich aber zurück mit auspacken, was mir schwerfällt. Dann bereite ich den Brotteig weiter vor und gehe wieder hoch. Kurze Eis-Pause. Dann weiterschreiben. Mit fortbilden wird es wohl heute nichts mehr. Ok. Dann morgen nach dem Frauenarzttermin.

16:30 Uhr. Mein Sohn kommt auf die Dachterrasse. „Wie viele Minuten musst du noch arbeiten? Hör bitte jetzt auf!“ Recht hat er, denke ich. Es ist schon so spät? So lange arbeite ich ja sonst auch nicht. Also Feierabend. Laptop weg. Sonne genießen und mit den Kids spielen ist angesagt.

Zuerst gibt’s eine Runde Cross-Boule im Garten. Dann wollen beide noch eine Runde „Hubi“ spielen. Langsam hängt´s mir zum Hals raus, aber klaro spiel ich mit. Dann spielt Papa mit dem Großen Fußball. Meine Kleine möchte mir helfen das Brot zu backen. Als ich schon die Ziellinie sehe, passiert das Missgeschick dann doch noch. Ich hatte das Backpapier nicht mit Mehl bestreut und der ganze Brotteig klebt extrem daran. Nichts mit schöner Form. Immerhin geschmacklich sollte sich nichts ändern. Hoffe ich zumindest. Währenddessen kommen zwei wild gestikulierende und fast schreiende Fußballer vom Garten ins Wohnzimmer rein. Mein Sohn weint und beschimpft meinen Mann: „Ich spiele nie wieder mit dir du Doofi. Du Scheiße. Ich hab dich nicht mehr lieb! Hau ab!“ Dann verschwindet er nach oben. Ja, am Spätnachmittag ist bei uns so ein typischer Zeitpunkt für kleinere oder größere Zusammenbrüche – nicht nur auf der Seite der Kinder. Aber ich bin ja für heute durch J

17:15 Uhr Jetzt packe ich die Pakete im Garten aus. Der Staubsauger muss natürlich direkt getestet werden. Fünf Tage ohne Staubsaugen mit vier Personen im Haushalt ist für mich nur schwer zu ertragen. Aber ich habe gelernt, damit umzugehen (einen Handfeger haben wir zum Glück auch). Früher war das viel schlimmer mit dem Saubermachen, ein Fimmel eben. Und auch mein Mann bestätigte mir schon mehrfach, dass ich dahingehend deutlich entspannter geworden bin.

Der Staubsauger tut was er soll. Alles in Ordnung. Mein Sohn möchte das Spielzimmer saugen. Doch was richtig gemacht in der Erziehung, denke ich. Nach der kurzen Putzaktion kommt mein Mann nach oben um ein kleines Vater-Sohn-Gespräch zu führen. Beide kommen gut gelaunt aus dem Kinderschlafzimmer und haben beschlossen, gemeinsam noch Sport zu machen: Mein Mann joggt, mein Sohn fährt Fahrrad.

17:45 Uhr. Die Jungs düsen los. Wir Mädels kümmern uns um das Abendbrot. Unter der Woche gibt’s hier immer „Vesper“. Auch so eine Angewohnheit aus meiner schwäbischen Heimat. Und heute – als besonderes Highlight – mein erstes selbstgebackenes Brot ohne Backmischung!

18:30 Uhr. Pünktlich als alles auf dem Tisch steht, schneien die Jungs mit „großem Hunger“ zur Tür herein. Das Wetter ist immer noch so schön, dass wir beschließen, auf der Terrasse zu essen. Wie gut wir es doch haben! Alle packen mit an und tragen Brot, Butter, Wurst, Käse, Salat, Gurken, Tomaten, Möhren, weißen Rettich, Getränke, Besteck, Teller nach draußen. Ohne Ausnahme sind alle begeistert vom Möhrenbrot. Mein Mann und ich hatten mal überschlagen, dass wir knapp 100 Euro pro Monat für Brot und Brötchen ausgeben. Jedes selbstgebackene Brot ist somit ein Gewinn in jeglicher Hinsicht.

19:30 Uhr. Mein Mann geht mit den Kindern in Richtung Bad zum Zähneputzen, Schlafanzug anziehen, Buch lesen. Ich räume unten noch die letzten Dinge auf, stelle die Spülmaschine an und gehe dann nach um die Kinder mit ins Bett zu bringen. Mit meiner Maus muss ich noch diskutieren, dass nicht jeden Abend ein anderer Schlafanzug angezogen wird. Mit meinem Großen „kämpfen“ wir seit Monaten mit dem Zähneputzen. Nicht, dass er es gar nicht machen will, aber er kaut – die Bürste immer an der gleichen Stelle hängend – nur auf den Borsten herum, schluckt den Schaum sofort runter („Entschuldigung Mama, aber der ist so lecker!“) und tanzt und turnt währenddessen noch im Bad herum. Hat jemand einen tollen Tipp für dieses Situation?

20 Uhr. Statt Buch lesen wollen sie heute lieber Gute-Nacht-Geschichten von Benjamin Blümchen hören. In Ordnung. Mein Mann und ich gehen nach unten, machen uns die Couch kuschelig und beschäftigen uns noch kurz mit unseren Smartphones. Dann lege ich meinen Kopf auf seinen Schoß und wir sprechen über den morgigen Termin beim Frauenarzt. Ob wir dann wissen, ob wir noch einen Jungen oder noch ein Mädchen bekommen?! Wir schreiben gemeinsam eine Einkaufsliste, um die ich mich nach meinem Termin direkt kümmere. Wir machen uns Netflix an und schauen noch eine Folge „Das erste Lebensjahr“, eine Dokumentation über das erste Lebensjahr von Babies. Es geht dieses Mal um die Entwicklung der Sprache. Faszinierend, wie diese kleinen Wesen unsere melodischen Geräusche als Wörter identifizieren und imitieren. Besonders spannend ist für mich auch die Tatsache, dass die Entwicklung der Sprache auf der Motorik – also der Bewegung – aufbaut. So gegen 21 Uhr hören wir die letzten Geräusche aus dem Kinderschlafzimmer. Etwas später als sonst, aber ok.

21:45 Uhr. Ich starte ebenfalls in Richtung Bett. Mein Mann bleibt eigentlich immer noch etwas länger wach, begleitet mich aber heute ins Bad. Das Joggen hat ihn wohl auch besonders müde gemacht. Außerdem sind die Nächte im Gästezimmer noch nicht optimal für ihn. Wir wünschen uns im Bad eine gute Nacht und verschwinden in getrennten Betten. Ich pudere mir noch den Bauch und rolle mit einer kleinen Faszienrolle meine Füße. Dann stopfe ich mir ein Kissen unter/zwischen/über Beine und Bauch, damit ich als Bauchschläfer noch eine Weile so klarkomme und schlafe schnell ein! Und durch! Zum Glück!

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